Aktuelle Entwicklungen der städtischen Digitalisierung
„Was einst im Jahr 2021 mit dem Ziel begann, Verwaltungsservices für Bürgerinnen und Bürger einfacher, schneller und zugänglicher zu machen, hat sich im Laufe der Zeit zu einem vielschichtigen und weitreichenden Veränderungsprozess entwickelt“, so beginnt die Einleitung des Teams Smart City Management der Stadtverwaltung, das in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung seinen Jahresbericht vorlegte.
War der Fokus ursprünglich auf digitale Verwaltungsservices gerichtet, hat sich dies zu einem umfassenden Aufgabenwandel entwickelt. Technologie, Nachhaltigkeit und Bürgerbeteiligung sollen von nun an Hand in Hand gehen. Dem folgte im vergangenen Jahr eine Umbenennung des Teams eGovernment & Digitalisierung zu Team Smart City Management.
Auch die Aufgabenstruktur hat sich verändert, was mit einem Smart-City-Hausmodell beschrieben wurde. Das Fundament ist die organisatorische Basis, das sind das digitale Rathaus, die digitale Infrastruktur und das digitale Stadtleben. Darauf bauen die Handlungsfelder auf. Das Dach symbolisiert das Datenmanagement, das den Datenaustausch zwischen den Handlungsfeldern steuert.
Zu den Handlungsfeldern gehört im Einzelnen:
Energie- und Ressourcenmanagement:
Zukünftig sollen Smart-City-Technologien in enger Zusammenarbeit mit dem Team Nachhaltigkeit entwickelt werden. Ein zentrales Ziel ist es, den Energieverbrauch kontinuierlich zu überwachen und Einsparpotenziale frühzeitig zu erkennen, unter anderem von CO₂-Emissionen.
Umweltschutz und Sauberkeit:
Digitale Lösungen sollen hier eingesetzt werden, um die städtische Sauberkeit zu verbessern, Umweltbelastungen frühzeitig zu erkennen und die Lebensqualität durch aktiven Umweltschutz nachhaltig zu sichern. Das geschieht unter anderem durch Umweltsensoren, die die Luftqualität stetig überwachen. Mit dem Pilotprojekt „Smart Bins“ wird zudem mit drei großen, mit Sensoren ausgestatteten Müllgefäßen eine Echtzeitüberwachung des Füllstands nachvollzogen und wann eine bedarfsgerechte Leerung notwendig wird.
Krisenprävention und Sicherheit:
Digitale Technik soll eingesetzt werden, um Gefahrenlagen schneller zu erkennen und in Notfallsituationen effektiver zu handeln. So soll die „KelsterApp“ entwickelt werden, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtige Informationen bereitstellt und dem städtischen Krisenstab als Arbeitsmittel für Koordinierungstätigkeiten bereitsteht. Außerdem sollen in der „KelsterApp“ alle digitalen Angebote der Stadt Kelsterbach zusammenlaufen und visualisiert werden. Es wird somit eine Verschmelzung der Produkte KelsterBoard, KelsterVoice und den eServices angestrebt.
Verkehr und nachhaltige Mobilität:
Auch hier verspricht die Digitalisierung, an einer sichereren und klimafreundlicheren Mobilität in Kelsterbach zu arbeiten. So sollen Verkehrsflüsse optimiert, emissionsarme Fortbewegung gefördert und der Umweltschutz zu Fuß, mit Rad oder ÖPNV gestärkt werden. In Kelsterbach sind deshalb über 20 Sensoren im Einsatz, die den Verkehr messen, um Schwachstellen zu erkennen. Durch die gewonnenen Daten – dazu gehören Fahrzeugtyp, Geschwindigkeit und Zeit, jedoch keine Kennzeichenerfassung – lassen sich Muster im Verkehrsverhalten erkennen. Hohe Geschwindigkeiten sowie Verkehrsfluss geben hier weitreichende Informationen für die künftige städtische Verkehrsentwicklung. Die Daten stehen sowohl Einwohnern als auch der Verwaltung zur Verfügung. Zwei Parkflächen (Am Bahnhof, Fritz-Treutel-Haus) wurden zudem mit Bodensensoren ausgestattet, um Information zu freien Parkplätzen zu geben.
Digitale Services und Partizipation:
Die digitalen Verwaltungsangebote (eServices) auf der städtischen Homepage wurden 2025 weiter optimiert und ausgebaut. Auch die aktive Beteiligung der Bevölkerung stellt für die Stadt eine wichtige Grundlage dar. Hierfür wurde die Stadtansicht KelsterVoice entwickelt, die den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, die Stadt dreidimensional zu erkunden und aktiv an Umfragen teilzunehmen.
Für Kinder und Jugendliche eröffnet die KelsterVoice wiederum neue Beteiligungsmöglichkeiten. Über interaktive Module können junge Menschen ihre Ideen und Anliegen direkt einbringen, an altersgerechten Umfragen teilnehmen oder an Stadtprojekten mitwirken. So werde frühzeitig das Bewusstsein für kommunale Themen gefördert und die aktive Teilhabe junger Generationen an der Gestaltung ihrer Stadt gestärkt.
Anforderungen
Die gestiegenen Anforderungen sowie die Zeitaufwendungen und Aufgabendichte erforderten eine personelle Aufstockung. Derzeit besteht das Team daher aus einer Leitungskraft und zwei Mitarbeiterinnen. Hinzu kommen die Innovationslotsen und-lotsinnen, die wichtige Multiplikatoren in andere Teams und Ressorts darstellen.
Im vergangenen Jahr lag der Fokus sowohl auf der Weiterentwicklung bestehender eServices als auch auf der Umsetzung projektbezogener Maßnahmen, unter anderem im Rahmen des Förderprogramms der Starken Heimat Hessen. Dadurch entstand eine ganze Produktfamilie, die die Bereiche eServices, Kelsterbot, Kelsterboard, KelsterLab und KelsterVoice umfasst.
Die Pflege der digitalen Services verdeutlichte, dass die Qualitätssicherung, technische Nachbesserung und Fehlerbehebung einen großen Zeitaufwand fordern. Aus diesem Grund wurde mehr Zeit in einen fehlerfreien Betrieb als in die Entwicklung neuer eServices investiert. Aktuell sind auf der Webseite der Stadt Kelsterbach 129 Dienstleistungen mit Onlineantrag zu finden, wie zum Beispiel der Antrag auf einen Bewohnerparkausweis.
Einen wichtigen Faktor innerhalb der digitalen Stadtentwicklung mit großem Zuspruch und Erfolg stellt das KelsterLab dar. Dieses wurde 2024 eröffnet und bietet Raum und Möglichkeit für Kinder und Jugendliche mit den klassischen MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) in Kontakt zu kommen beziehungsweise ihr Können zu vertiefen. Und auch Senioren bekommen hier altersgerechte Fortbildungen rund um digitale Anforderungen geboten. Allein 2025 fanden 389 Veranstaltungen statt. Dabei arbeitet die Stadt eng mit Wirtschaftsunternehmen zusammen, wodurch das technische Angebot erweitert werden konnte.
Die Stadt Kelsterbach bezieht für diese Entwicklungen Fördermittel des Landes Hessen über das Projekt „Starke Heimat Hessen“. Im vergangenen Jahr konnte Kelsterbach zusammen mit Raunheim und Rüsselsheim eine Förderung für die interkommunale Zusammenarbeit in Höhe von 782.100 Euro erhalten. Mit dem Fördergeld soll zum einen das Parkraummonitoring ausgeweitet und zum anderen die Beteiligungsplattform KelsterVoice weiterentwickelt werden.
Die interkommunale Zusammenarbeit bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil innerhalb der Digitalisierung. Ein weiterer wichtiger Baustein wird die Weiterentwicklung des Kelsterboards sein, in dem verschiedene Datenquellen zusammenlaufen und das sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für die Verwaltung nutzbar sein soll. Künftig sollen zum Beispiel Informationen zu Hitzeinseln und wetterangepassten Verhaltensempfehlungen gegeben werden.