850 Kraniche fliegen in der Herz-Jesu-Kirche

Vor einigen Wochen fiel der Startschuss für die dreiteilige Veranstaltungsreihe „Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken“ in der Herz-Jesu-Kirche. Initiiert wurde das Projekt von der ProjektStadt der Nassauischen Heimstätte und der Stadt Kelsterbach im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain.

Zentraler Aspekt ist die gemeinsame Suche nach neuen Perspektiven für Kirchenräume wie die Herz-Jesu-Kirche, die nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden.

Den Auftakt bildete im Juni das erste Modul mit Vorträgen, einer Podiumsdiskussion und Workshops. Die dabei entwickelten Ideen und Ergebnisse wurden am vergangenen Wochenende im Rahmen des Altstadtfestes und des „Tags des offenen Denkmals“ im zweiten Modul der Veranstaltungsreihe vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass der Wunsch vorherrscht, dass die Kirche weiterhin ein Ort der Begegnung bleiben soll, ein besonderer Raum für Gemeinschaft, der für alle da ist, unabhängig von ihrem Glauben.

Papierkraniche als Zeichen der Gemeinschaft

Im Mittelpunkt stand an beiden Tagen jedoch eine Kunstinstallation, bei der rund 850 Papierkraniche durch den Innenraum der Herz-Jesu-Kirche schweben. Gefertigt wurden die filigranen Vögel von Kindern aus den Kelsterbacher Kitas der Caritas, Schülerinnen und Schülern der Bürgermeister-Hardt-Schule, Mitgliedern der koreanischen Gemeinde, den Moscheevereinen, der städtischen Jugendförderung sowie von Privatpersonen. In unterschiedlichen Farben illuminiert, lassen die Kraniche den Kirchenraum in einer besonderen Atmosphäre erstrahlen.

Eröffnet wurde die Installation am Samstag durch den hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. Bürgermeister Manfred Ockel dankte dem Minister in seiner Begrüßung für die Unterstützung des Projekts. Die Stadt Kelsterbach hatte im Rahmen des Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ des Landes Hessen für die Nachnutzung der Herz-Jesu-Kirche sowie für drei weitere Projekte einen Zuwendungsbescheid in Höhe von insgesamt 200.000 Euro aus Mansooris Ministerium erhalten. Diese Förderung habe die intensive Auseinandersetzung mit neuen Perspektiven für die Herz-Jesu-Kirche erst ermöglicht, betonte Ockel.

Gemeinsam Zukunft gestalten

In seinem Grußwort unterstrich der Wirtschaftsminister, dass die Frage nach der zukünftigen Entwicklung von Orten wie der Herz-Jesu-Kirche nicht von Einzelnen beantwortet werden könne. Zukunftsperspektiven entstünden vielmehr erst durch gemeinsamen Austausch.

„In Zeiten, in denen wir spüren, dass der Zusammenhalt ein Stück weit verloren geht, dass Menschen mehr auf Unterschiede als auf Gemeinsamkeiten schauen, ist es entscheidend, wie solche Zukunftsfragen organisiert werden. Denn nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass unser Leben besser wird“, sagte Mansoori. Der Kranich sei für ihn dabei ein passendes Symbol: Als Zugvogel finde er immer wieder neue Wege und fliege dorthin, „wo das Leben ist“.

Auch Pfarrer Stefan Barton, Leiter des Pastoralraums MainWeg, zeigte sich dankbar für das Projekt und die große Beteiligung der Bevölkerung. Besonders erfreulich sei, dass dabei ein Dialog entstanden sei, der kulturelle und religiöse Grenzen überschreite.

Marion Schmitz-Stadtfeld, Leiterin der Integrierten Stadtentwicklung der ProjektStadt, bezeichnete Kelsterbachs „Himmel voller Hoffnung“ ebenfalls als wichtiges Symbol. Die Installation sei nur durch das gemeinschaftliche Engagement der zahlreichen beteiligten Akteurinnen und Akteure möglich geworden. Dieser Aussage schloss sich Projektleiterin Alexa von Wedel an. Für sie und ihr Team sei dies ein sehr schönes Projekt gewesen, dessen Ergebnis deutlich vielfältiger sei, als es auf den ersten Blick den Anschein habe.

Musik erfüllt den Kirchenraum

Musikalisch wurde die Eröffnung am Samstag vom Chor der Bürgermeister-Hardt-Schule begleitet, der drei Lieder präsentierte. Am Sonntag standen dann Schülerinnen und Schüler der Kelsterbacher Musikschule auf der Bühne.

Das rund 100-köpfige Publikum, das am „Tag des offenen Denkmals“ in die Kirche gekommen war, wurde von Bürgermeister Ockel und Projektleiterin von Wedel begrüßt. Beide gaben einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten einer zukünftigen Nachnutzung der Herz-Jesu-Kirche, etwa als Austragungsort für kulturelle Veranstaltungen wie das folgende Musikschulkonzert.

Bei diesem begleiteten 14 Nachwuchsmusikerinnen und -musiker den „Flug“ der Papierkraniche mit ihren Darbietungen. Neben Gitarre, Flöte und Klavier war dabei auch Gesang zu hören. Die unterschiedlichen musikalischen Beiträge verwandelten den Innenraum der Kirche in einen stimmungsvollen Klangraum und bildeten einen eindrucksvollen Abschluss des zweiten Veranstaltungsmoduls.

Mit der Verbindung aus Beteiligung, Kunst, Musik und dem gemeinsamen Nachdenken über die Zukunft des Kirchenraums setzt das Projekt „Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken“ seinen Dialog über eine mögliche neue Nutzung der Herz-Jesu-Kirche fort. Für das dritte Veranstaltungsmodul wird die Kirche in den kommenden Monaten immer wieder ihre Pforten öffnen, wobei geplant ist, dass neben der Installation mit den illuminierten Kranichen auch Veranstaltungen wie ein Orgelkonzert zum Advent, ein Soloabend der Musiker der Koreanischen Gemeinde sowie ein interreligiöser Dialog angeboten werden. Weitere Informationen dazu folgen.