Altstadtfest 2026 – Ein Rückblick

Es nach vier Tagen Kerb erst einmal ruhig angehen lassen? Nicht so in Kelsterbach, wo immer am Wochenende nach dem festlichen Treiben auf dem Schlossplatz nur wenige Straßen entfernt das aus der Nachkerb gewachsene Altstadtfest zelebriert wird. 

Auch die 45. Auflage hat viele Kelsterbacher ins Unterdorf gelockt, die bei Live-Musik, Tanzdarbietungen, Kunsthandwerk, einem Escape Room, einem Programm für Kinder und Jugendliche sowie verschiedenen kulinarischen Angeboten, verteilt auf 44 Stände, ein fröhliches und friedliches Wochenende verbracht haben.  

Freitag

Auch in diesem Jahr gab KelsterGroove, die Big Band der Musikschule, den musikalischen Startschuss für das Altstadtfest. Unter der Leitung von Rebecca Pitter und mit Unterstützung von Sängerin Julia Thon spielten die Mitglieder der Big Band zwölf Lieder, darunter „It don‘t mean a thing“ des legendären Jazzmusikers Duke Ellington, „Don‘t know why“ von Norah Jones und den Soul-Klassiker „September“ von Earth, Wind & Fire. Zwischen den Musikstücken nutzte Bürgermeister Manfred Ockel die Gelegenheit, um die Besucherinnen und Besucher sowie einige Ehrengäste zu begrüßen. Ockel dankte den Vereinen, die ehrenamtlich einen Großteil der auf dem Fest vertretenen Stände betrieben. Dieses Engagement sei nicht selbstverständlich, so der Bürgermeister.

Während die Sonne langsam unterging, bildeten sich an Ständen die ersten Schlangen, und der Marktplatz füllte sich zunehmend. Gegen 20 Uhr betrat dann die Cover-Band „80s Alive“ die Bühne, um das Kelsterbacher Publikum mit Hits von Kim Wilde, a-ha, Rio Reiser oder Depeche Mode auf eine musikalische Zeitreise mitzunehmen – schrille Outfits im Retro-Look und jede Menge guter Laune inklusive. Auf der ausgelassenen Stimmung, die nach dem Auftritt der Band herrschte, konnte DJ Käry perfekt aufbauen. Mit ihren Sounds sorgte die angesehene Djane aus Frankfurt für beste Partystimmung im Unterdorf. Die besondere Atmosphäre wurde noch durch die bunt illuminierte Martinskirche intensiviert, die an allen drei Abenden mit Einbruch der Dunkelheit in ganz neuem Licht erstrahlte.   

Samstag

Der Altstadtfestsamstag zeigte sich im allerschönsten Spätsommerwetter. Entsprechend gut besucht war das Volksfest und die Straßen rund um den Marktplatz füllten sich schnell. Um 14 Uhr startete das offizielle Programm und die TSG Flair schickte gleich drei Tanzgruppen auf die Bühne. Den Beginn machten die Jüngsten, die Girls in Motion. Die acht bis zehnjährigen Mädchen tanzten zu einem Medley des Films „K-Pop Demon Hunters“ und waren sichtlich mit Spaß dabei. Direkt im Anschluss kamen die Teens in Motion, die aus elf bis 13-jährigen bestehen. Den Abschluss bildete die Erwachsenengruppe, die eigentlich 13 Frauen umfasst, hier aber nur zu sechst auflief. Das tat der Show jedoch keinen Abbruch und es wurde ein amüsant interpretiertes Räuber-und-Gendarm-Stück getanzt.

Nach kurzer Pause folgte der Kinderchor der Bürgermeister-Hardt-Grundschule, der mit zehn Stücken auftrat. Darunter waren ernste Lieder wie „Warum nur, warum?“ oder „Du bist mir fremd“, aber es ging auch rockig zu mit dem „Dracula Rock“. Die begeisterten Zuhörer forderten lautstark eine Zugabe, die jedoch ebenso charmant wie bestimmt abgelehnt wurde mit dem Verweis, dass der Chor direkt im Anschluss in der Herz-Jesu Kirche gebraucht werde, wo der nächste Auftritt anstehe. In der Kirche wurde eine Kunstinstallation aus gebastelten und illuminierten Kranichen durch den Hessischen Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori eröffnet.

Musikalisch ging es auf der Bühne zeitgleich weiter. Die Musikschule Kelsterbach zeigte mit vier Sängerinnen und einem Klavierschüler, was mit gutem Unterricht und Motivation alles möglich ist. Daria Luic, Elvira Bobrakov, Leni Hofmeister und Sienna Marlene Urso sangen nacheinander aktuelle Popsongs sowie den Klassiker Mamma Mia, begleitet von ihrer Lehrerin Yanhua Shao am Piano. Zuletzt trat der Klavierschüler von Tanja Puliak, Oskar Fetouaki, mit einem Boogie auf und spielte das schnelle Stück hochkonzentriert. Der Applaus war der Gruppe sicher.

Als letzter Tanz-Act des Nachmittags trat die Jugendgruppe der koreanischen Uri-Gemeinde auf. Die Mädchen sind keine feste Tanzgruppe, sondern „kommen zusammen, wenn wir gebraucht werden“. Letztes Jahr waren sie noch zu viert, nun tanzten sieben junge Frauen auf der Bühne. Und noch etwas hätten sie aus dem letzten Jahr gelernt: „Wir bekamen die Rückmeldung, dass unser Auftritt gut gefallen hat, aber zu kurz war. Deshalb tanzen wir dieses Mal 20 Minuten für Sie.“ Gesagt, getan. 20 Minuten Vollgas mit verschiedenen Formationen, Sprüngen und viel guter Laune. Das Publikum honorierte die Anstrengung mit anhaltendem Applaus.

Der Abend gehörte dann den Musikbands, die live ab kurz vor 18 Uhr auftraten. Die Party-Coverband Miss Overdrive machte den Anfang und begeisterte das Publikum rund zwei Stunden lang mit Hits aus den 80ern bis 2000ern. Den Abschluss des Abends bildete Mission Possible. Die Rock-Coverband heizte dem Publikum ordentlich ein, während es dunkel wurde und die Scheinwerfer sowie die illuminierte Martinskirche die gute Stimmung untermalten.

Sonntag

Am Sonntagnachmittag waren die Kelsterbacher Kommunale Sozialarbeit und die Jugendförderung mit einem gemeinsamen Angebot im Pfarrhof der Martinsgemeinde vertreten. Zum einen konnten die jungen Besucherinnen und Besucher mit Klett bezogene Schaumstoffäxte auf eine aufblasbare Zielscheibe werfen, zum andern wurde ein Graffiti-Workshop mit Künstlern von RZM Productionz Art & Design für Kinder und Jugendliche organisiert, der von rund 250 Interessierten wahrgenommen wurde. Die kleineren Künstler bis sieben Jahre hatten Spaß beim Ausmalen von Graffiti-Vorlagen oder gestalteten frei Hand mit Aquarell-Stiften ihre eigene Graffiti-Skizze. Die älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Graffiti-Workshops lernten, wie man eigene Ideen auf Papier entwickelt und die Skizze dann auf die Wand überträgt, die richtige Handhabung der Sprühdose, den Einsatz verschiedener Sprühaufsätze für dünne und dicke Linien sowie den notwendigen Schutz durch Atemschutzmasken und Handschuhe. Unabhängig von den technischen Aspekten des Graffiti-Sprayens stand beim Workshop die Verbindung von Kreativität, rechtlicher Aufklärung und Stärkung des Selbstbewusstseins im Vordergrund. Die Kinder und Jugendlichen waren mit viel Interesse, Freude und großem Eifer bei der Sache, verbrachten teils mehrere Stunden am Graffiti-Stand und hinterließen am Abend ein farbenfrohes, kreatives, mehrere Quadratmeter großes Kunstwerk.

Das Bühnenprogramm am Sonntagnachmittag stand ganz im Zeichen des Tanzes und der sportlichen Bewegung. Zunächst kamen die Kleinsten zum Zuge, die Kinder der Kita St. Elisabeth hatte sichtlich Spaß an ihren Tänzen und wussten das zahlreiche Publikum zu begeistern. Dann waren die „Oakleaves“, zu Deutsch Eichenblätter, an der Reihe, die mit schwingenden Petticoats den Squaredance, einen in den USA weitverbreiteten Tanz, aufführten. Die Enjoys sind eine Nachwuchstanzgruppe der TSG Flair. Neun Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren zeigten, dass es in Kelsterbach genügend Talente gibt, die dem Tanzsport in Zukunft ihren Stempel aufdrücken werden. Sportlich ging es anschließend zu, als Kinder der Leichtathletikabteilung des TuS ein Zirkeltraining vorführten. Letzte Tanz-Acts des Nachmittags waren die beiden Tanzgruppen der „Hip Hop 4 Kids“. Getanzt wurde im „New Style“, der mehrere Tanzrichtungen beinhaltet. Entsprechend vielfältig waren die gekonnten Darbietungen der jungen Tänzerinnen, die vom Publikum ausgiebig beklatscht wurden. Musikalisch gestaltete die Band New Chapter den Nachmittag. Mit deutsch- und englischsprachigen Songs, die man eher selten im Radio hört, die aber Geschichten erzählen, Erinnerungen wecken und mitten ins Herz treffen, hat sich New Chapter in der Welt der Akustikbands einen festen Platz und erspielt und beim Kelsterbacher Altstadtfest die Gunst des Publikums schnell für sich gewonnen.

Trotz des eher durchwachsenen Wetters wurde auch am Sonntagabend bei von der Coverband „at.tension“ aus Rheinland-Pfalz dargebotenen Rock- und Pop-Klassikern noch fröhlich gefeiert und getanzt, bis auf dem Festgelände um 22 Uhr die Lichter ausgingen. Das für die Organisation zuständige Team des städtischen Kulturamts zog am Ende ein zufriedenes Fazit: „Das Fest war das gesamte Wochenende gut besucht und das Feedback, das uns entgegengebracht wurde, war durchweg positiv.“