Reges Interesse am zweiten städtischen Mobilitätsabend

Rund 20 Interessierte kamen in der vergangenen Woche zum zweiten Mobilitätsabend der Stadt Kelsterbach in die Stadt- und Schulbibliothek. Geladen hatten das Team Nachhaltigkeit der Stadtverwaltung sowie der ehrenamtliche Radverkehrsbeauftragte, Roland Rücker. Das Programm war umfangreich, primär ging es thematisch um die Verkehrssicherheit.

Zudem waren Mario Schuller vom ADFC, Jürgen Wälther vom Fuß e.V. sowie Fahrlehrer Robert Jung eingeladen, um Fragen zu beantworten.

Den Beginn des Abends stellte jedoch das hautnahe Erleben des Toten Winkels dar. Hierfür war die Freiwillige Feuerwehr mit einem Einsatzfahrzeug gekommen und jeder, der wollte, konnte einmal in der Fahrerkabine Platz nehmen und dies austesten. Die Überraschung war groß, denn kaum jemand hatte damit gerechnet, dass Personen, die sich neben dem Fahrzeug befinden, im Seitenspiegel mehr oder weniger unsichtbar sind. Der Klimaschutzbeauftragte Maximilian Barth machte den Anfang und war sichtlich beeindruckt von der Komplexität, die der sichere Umgang mit einem solchen Fahrzeug mit sich bringt.

Er begrüßte anschließend die Anwesenden und übergab das Wort an die Stadtverordnetenvorsteherin Karina Strübbe. Diese sagte, dass Mobilität ein Thema sei, das jeden angehe und betreffe. Daher sei auch die Gesellschaft gefragt, an der Mobilität in der Stadt mitzuwirken.

Jeder Verkehrstote ist einer zu viel

Barth fuhr mit dem ersten Vortrag des Abends fort und erklärte die verschiedenen Mobilitätsformen und deren Anteil im Straßenverkehr. Klar sei, dass beispielsweise der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in der Stadt besser ausgebaut sei als auf dem Land. Aber er verwies auch auf die Personen, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen kein eigenes Fahrzeug besäßen und an die bei Planungen der Infrastruktur mitgedacht werden müsse. So gebe es in Kelsterbach neben dem ÖPNV auch den On-demand-Bus Siggi, der auf individuelle Fahrtwünsche reagieren kann. Natürlich sei ihm als Klimaschutzbeauftragtem besonders daran gelegen, klimaneutrale oder -schonende Verkehrsmittel zu verwenden und daher auch Rad- und Fußwege weiter auszubauen.

Radverkehrsbauftragter Rücker griff das Stichwort auf und präsentierte in seinem Vortrag das Fokusthema Sicherheit. Rücker favorisiert offen die „Vision Zero“, die Absicht, keine Verkehrstoten mehr beklagen zu müssen. Hierzu hatte er einige Zahlen mitgebracht: Allein 2025 gab es in Deutschland 3000 Verkehrstote, davon waren 425 Kinder und Jugendliche.

Diese Zahl musste erst einmal sacken gelassen werden, doch Rücker verwies zu Recht darauf, dass zu den Toten noch Betroffene wie Ersthelfer, Rettungssanitäter und Ärzte, Familie, Freunde, Bekannte und, und, und hinzukämen. So ist ein Verkehrstoter nie singulär zu sehen. „Man muss ganz klar sagen, sobald man ein Fahrzeug nutzt, gleich welches, fährt ein Risiko für einen Unfall mit.“

Auch bei den Themen Geschwindigkeitsüberschreitungen im Ort und mangelndes Blinken im Kreisverkehr wurde es im Publikum emotional. Und auch die wachsende Problematik mit E-Scootern wurde diskutiert. Rücker gab an, dass diese immer häufiger illegal getunt würden, und ermahnte Eltern wie Großeltern, bei ihrem Nachwuchs darauf zu achten, dass dies nicht geschehe. Die Unfallrate mit E-Scootern sei besonders dramatisch angestiegen, ergänzte er. Im vergangenen Jahr gab es allein 1.505 Unfälle mit den Elektrorollern, das ist ein sattes Plus von 40 Prozent. Die Verletzungen sind dabei meist im Kopfbereich, was durch das fehlende Tragen eines Helms doppelt ins Gewicht fällt.

Gehwegparken und Fahrradklima

Auf Rücker folgte Jürgen Wälther, der sich ehrenamtlich für die Belange der Fußgänger einsetzt. Obwohl dies als Basis der Mobilität die Gesamtgesellschaft betrifft, habe man vergleichsweise wenig Mitglieder im Verein. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, auf Missstände und deren Abbau im Fußverkehr hinzuweisen. Auch Mario Schuller vom ADFC, dem allgemeinen deutschen Fahrradclub, sprach im Anschluss. Er verwies auf das steigende Problem des Gehwegparkens und zeigte sich erfreut, dass die Stadt Kelsterbach hier sehr zielstrebig in der Ahndung sei, denn dies sei vor allem für die Schulkinder ein großes Sicherheitsproblem. Er verwies auch auf den aktuell laufenden Fahrradklimatest und bat die Anwesenden, sich daran zu beteiligen, um Verbesserungen im Radwegesystem anzuregen. Vor allem verwies er auf die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, an diesem Test erstmalig teilnehmen und ihre Perspektive und Bedürfnisse einbringen zu können. Der Test ist unter https://fkt.adfc.de/ abrufbar.

Die Diskussionsfreude wurde durch die letzten beiden Themen stark angeregt, denn hier fand sich jeder Teilnehmende wieder. Vielfach wurde auf die Lärmbelästigung und Geschwindigkeitsüberschreitung von Schwerlastverkehr, auf zerbrochene Gehwegplatten, die gerade für Menschen mit Kinderwagen oder Rollator gefährlich seien, und auf irreführende Fahrradleitwege hingewiesen. Hier sah man viel Verbesserungspotential. Die Nahmobilitätsbeauftragte Lilly Hermann erklärte, dass vieles in der Mache sei, aber nicht alles schnell und unkompliziert umgesetzt werden könne. So habe man Markierungen im Bereich Staudenring und Langer Kornweg vor kurzem umsetzen können. Dies sei deshalb so zeitaufwendig, weil sich im Bereich Firmen befinden, die täglich beliefert werden. Aus diesem Grund sei eine Straßensperrung nicht einfach umsetzbar. Verlagere man dies auf das Wochenende, entstünden Zusatzkosten. Die Anregungen aus dem Publikum wurden aufgenommen und werden nun auf Umsetzbarkeit geprüft.

Abschließend stellte Barth die bereits umgesetzten Maßnahmen der Stadt vor, wozu beispielsweise die Schwellen an der Kelsterbar gehören, um zu schnelles Fahren zu unterbinden sowie die Veränderungen im Rad- und Fußwegebereich an der Staudenstraße, an der sich vor ein paar Monaten ein tödlicher Unfall ereignet hatte, und auch die Ersetzung eines unübersichtlichen Parkplatzes für sechs Fahrradstellplätze in der Dahlienstraße. Rücker beschloss den Abend und verwies auf bevorstehende Aktionen. So ist eine weitere Fahrradtour geplant, eine Besichtigung des E-Bike-Herstellers Riese und Müller sowie in der Planung befindliche Fahrrad- und E-Scooter-Kurse. Die Veranstalter bedankten sich für die rege Mitarbeit und freuen sich, auch beim kommenden Mobilitätsabend wieder viele Interessierte begrüßen zu dürfen.