Spaß und Spannung am Tag der Bibliotheken
Mit einem abwechslungsreichen Programm für Jung und Alt hat die Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach am vergangenen Samstag den bundesweiten „Tag der Bibliotheken“ gefeiert.
Der 1995 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ins Leben gerufene Aktionstag bot die Gelegenheit, die Bibliothek als Ort der Begegnung, der Kreativität und der Literatur zu erleben. Während am Vormittag ein speziell auf Mädchen der vierten bis siebten Klasse zugeschnittenes Angebot im Mittelpunkt stand, erwartete Krimifans am Abend eine spannende Lesung mit der Autorin Chris Warnat.
Kreativer Vormittag für Mädchen
Der Tag der Bibliotheken begann für die 14 teilnehmenden Mädchen mit einem gemeinsamen Frühstück im amerikanischen Stil. Anschließend konnten sie an verschiedenen Kreativstationen aktiv werden, Handyketten basteln und kleine Glücksbringer-Schachteln gestalten. Darüber hinaus blieb genügend Zeit, um in Büchern zu schmökern, sich gegenseitig die Haare zu frisieren, die Nägel zu lackieren oder einfach in gemütlicher Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen.
Das Angebot kam bei den Teilnehmerinnen bestens an. „Die Mädchen hatten viel Spaß und wünschen sich auf jeden Fall eine Wiederholung in Form eines Mädchen-Abends“, resümierte Bibliotheksleiterin Meike Betzold zufrieden. Die positive Resonanz zeigt, dass die Bibliothek mit solchen Veranstaltungen nicht nur die Freude am Lesen fördern, sondern auch einen Ort schaffen kann, an dem junge Menschen gerne gemeinsam Zeit verbringen und eigene Interessen entdecken können.
Spannung pur mit Chris Warnat
Am Abend wechselte das Programm von kreativer Freizeitgestaltung zu packender Kriminalliteratur. Rund 30 Gäste waren gekommen, um die Autorin Chris Warnat kennenzulernen und mehr über ihren Thriller „Vier Minuten Stille“ zu erfahren.
Bürgermeister Manfred Ockel begrüßte das Publikum und erinnerte dabei an seine eigenen Erfahrungen mit Bibliotheken. Als Jugendlicher habe er häufig die Bibliothek in Rüsselsheim besucht, in der vor allem Ruhe und das Ausleihen von Büchern im Vordergrund gestanden hätten. Heute sei die Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach weit mehr als ein Ort, an dem Bücher zur Verfügung stehen.
„Heute haben wir mit unserer Bibliothek einen wunderbaren Ort zum Verweilen, Entdecken und Wohlfühlen, der allen Besuchern ganz viele Erlebnisse bietet“, betonte Ockel. Die Bibliothek sei wie ein kleines Herz der Stadt, das von einem engagierten Team am Schlagen gehalten werde. Ihr vielfältiges Angebot sei für Kelsterbach zwar auch mit finanziellen Herausforderungen verbunden, da die Vermittlung von Wissen eine Aufgabe sei, die Kommunen weitgehend selbst stemmen müssten. An diesem Abend solle jedoch vor allem die Freude am Lesen und die Spannung des Thrillers von Chris Warnat im Mittelpunkt stehen.
Auch die Autorin selbst erklärte zu Beginn ihrer Lesung, dass Bibliotheken für sie schon immer besondere Orte gewesen seien. Als Kind habe sie viel Zeit in Büchereien verbracht. Es sei wichtig, dass es diese Einrichtungen gebe, die allen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Büchern, Wissen und fantastischen Welten ermöglichten.
Einblicke in die Welt des Schreibens
Bei gedämpftem Licht las Warnat dann drei ausgewählte Passagen aus „Vier Minuten Stille“, dem zweiten Band ihrer Thriller-Reihe um den Hamburger Ermittler Wase Rahimi. Die Auszüge vermittelten einen Eindruck von der Atmosphäre und Spannung des Romans, ohne zu viel über die Handlung und ihre überraschenden Wendungen preiszugeben.
Eine längere Passage schilderte den Fund einer Toten in einem verschneiten Garten und führte zugleich einige der zentralen Figuren ein. Zwei kürzere Szenen ergänzten die Lesung und ließen das Publikum in die besondere Stimmung des Thrillers eintauchen. Dabei achtete die Autorin bewusst darauf, die entscheidenden Geheimnisse der Geschichte nicht vorwegzunehmen. „Ich möchte das Herz der Geschichte nicht antasten – und das Herz ist sehr groß“, erklärte Warnat mit Blick auf die Handlung und ihre zahlreichen Facetten.
Neben den literarischen Kostproben gewährte die 1986 in Oldenburg geborene Autorin einen nicht minder spannenden Einblick in ihren beruflichen Werdegang und die Entstehung ihrer Bücher. So berichtete sie, dass sie während ihres BWL-Studiums verschiedene Nebenjobs unter anderem in Supermärkten, Eisdielen und Möbelhäusern angenommen hatte, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Nachdem sie 14 Jahre lang als Nachrichten-Redakteurin und zuletzt als Gerichtsreporterin gearbeitet hatte, entschied sie sich dafür, alles auf eine Karte zu setzen und sich fortan vollständig auf das Schreiben zu konzentrieren.
Intensive Recherche gehört für Warnat zu ihrem Schreibprozess. Sie arbeitet eng mit Fachleuten zusammen, um ihre Geschichten möglichst realitätsnah zu gestalten. Bei der Entwicklung ihrer Figuren lässt sie zudem – oft unbewusst – persönliche Erfahrungen einfließen: So habe ihr Ermittler Wase Rahimi viele Eigenschaften, die sie auch an ihrem Mann schätze. Vermutlich sei diese Figur ihr deshalb besonders ans Herz gewachsen.
Wie schwierig es ist, sich als Autorin dauerhaft finanziell abzusichern, wurde ebenfalls deutlich. Warnat erklärte, dass nur wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit ihren Büchern tatsächlich reich würden. Umso größer sei ihre Freude darüber, dass bereits ihr Debütroman erfolgreich gewesen sei. Nach ihrer Einschätzung schaffen es rund 90 Prozent der auf dem Markt erhältlichen Bücher nicht, eine Auflage beziehungsweise Verkaufszahl von 100 Exemplaren zu erreichen. Ihr erstes Buch habe hingegen zu den erfolgreichen zehn Prozent gehört.
Ein weiterer Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere sei der Verkauf der Filmrechte ihres ersten Buches. Auch wenn damit noch nicht feststeht, dass der Stoff tatsächlich verfilmt wird, sei dies für sie ein besonderer Erfolg und ein Grund zur Freude.
Nach knapp anderthalb Stunden ging eine ebenso spannende wie informative Lesung zu Ende. Chris Warnat hatte dem Publikum nicht nur einen packenden Vorgeschmack auf ihren Thriller gegeben, sondern auch die Menschen hinter den Geschichten und die Herausforderungen des Schriftstellerberufs nähergebracht.
Trotz der vorgerückten Stunde nahm sich die Autorin abschließend ausführlich Zeit, um Bücher zu signieren und mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Interessierte konnten ihre Romane direkt am Büchertisch der Rüsselsheimer Buchhandlung „Kapitel 43“ erwerben und sich ein persönliches Exemplar mit nach Hause nehmen.
„Bücher und mehr…“ bietet weitere Veranstaltungen
Die Lesung bildete den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Bücher und mehr…“, die der Kreis Groß-Gerau gemeinsam mit den kommunalen Bibliotheken organisiert. Ziel der Reihe ist es, die Freude am Lesen zu wecken und die vielfältigen Angebote der Bibliotheken in der Region bekannter zu machen.
Mit dem gelungenen Tag der Bibliotheken ist das „Bücher und mehr…“-Programm in Kelsterbach noch lange nicht abgeschlossen. Bis zur nächsten „Nacht der Bibliotheken“ am Freitag, 23. April 2027, sind zahlreiche weitere Veranstaltungen geplant.
Der Veranstaltungsflyer von „Bücher und mehr…“ ist im Foyer des Rathauses sowie in der Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach erhältlich. Darüber hinaus kann das Programm online unter www.kreisgg.de/aktivitaeten/kultur/buecher-und-mehr eingesehen werden.