Abschlussveranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung

In der vergangenen Woche fand die abschließende Infoveranstaltung der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) im Fritz-Treutel-Haus statt. 

Hierfür hatte sich das Team Nachhaltigkeit um den Klimaschutzbeauftragten Maximilian Barth und Projektingenieur Heiko Langelotz etwas Besonderes einfallen lassen: Zur Veranstaltung gab es eine Messe, auf der verschiedene Kooperationspartner Interessierten Fragen beantworteten und ihre Produkte oder Projekte vorstellten. Spannend wurde es auch noch einmal zum Ende der Veranstaltung, als unter den Besucherinnen und Besuchern drei Balkonkraftwerke verlost wurden, die von Amazon Web Services gesponsert wurden.

Der Abend wurde von Bürgermeister Manfred Ockel eröffnet. Er freute sich über die Kooperationspartner, denn es sei wichtig, dass sich Hauseigentümer über die Möglichkeiten unabhängig von der KWP informierten. Besonders dankte Ockel Amazon für die großzügige Spende. Barth übernahm das Wort und stellte zunächst die Aussteller vor, darunter die Firmen Effizienzklasse, Frank und Kälte Blatz sowie Amazon Web Services. Aber auch die NH Projektstadt war anwesend, mit der Kelsterbach in den letzten Jahren zahlreiche Projekte, unter anderem im Bereich Klimainsel, und gemeinsam mit dem Beratungsbüro BCC-Energie die Planung der KWP realisiert hat. Die Aussteller hatten im Folgenden die Gelegenheit, sich und ihre Angebote vorzustellen.

Barth erläuterte den rund 30 Interessierten in der Folge die bisherigen Ergebnisse in der Kelsterbacher KWP und begründete deren Notwendigkeit. Dies sei nicht nur eine Frage der Klimaneutralität, die bis 2045 umgesetzt sein müsse. „Wir müssen weg von Benzin, Gas, Öl und Diesel“, so Barth. Es sei auch ein Thema der Preisentwicklung. Barth verwies auf eine unsichere globale Lage, die durch den USA-Iran-Krieg weiter instabil bleibe und wodurch sich auf lange Sicht keine sicheren Preise für fossile Energien prognostizieren lassen. Hier setze eine zuverlässig und wirtschaftlich betreibbare Energieversorgung an. Denn bislang werde die Wärmeversorgung erst zu 19 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt. Barth rollte noch einmal die bisherige Vorgehensweise der KWP auf, von der Bestandsaufnahme hin zur Identifizierung von Fokusgebieten und dem Ausloten, welche Versorgung mit erneuerbaren Energien für welchen Bereich in Kelsterbach ideal wäre. Unter anderem bieten sich Wärmenetze, Wärmepumpen oder Holzheizungen an. Aus dieser Betrachtung werden Wärmeversorgungsszenarien entwickelt.

Aktuell werden 70 Prozent der Haushalte in Kelsterbach noch mit Erdgas beheizt, rund 20 Prozent mit Heizöl und erst ein kleiner Anteil mit Fernwärme.

Die Möglichkeiten für Wärmenetze in Kelsterbach stellte Heiko Langelotz vor. Die drei Fokusgebiete Unterdorf, Europort und Sportparkareal würden sich für Flusswärme, Abwärme durch Rechenzentren und Geothermie eignen. Aktuell läuft noch eine Machbarkeitsstudie im Sportparkareal, die demnächst fertig gestellt wird. Gerade die Flusswärmepumpe hätte den klimapositiven Effekt, das sich in den letzten Jahren immer stärker erwärmende Flusswasser abzukühlen, sei jedoch keine günstige Lösung, wie Langelotz angab. Aktuell gibt es mehrere Energieversorger, die sich für die Umsetzung der KWP in Kelsterbach interessieren. Um diese mit ins Boot holen zu können, brauche man viele beziehungsweise Großkunden, sogenannte Ankerkunden, die garantieren, dass in den kommenden Jahren eine ausreichend große Menge an Energie bezogen wird. Im Sportparkareal wäre dies zum Beispiel das Sport- und Wellnessbad. Um sich jedoch nicht einem Preisdiktat unterordnen zu müssen, müsse derzeit geprüft werden, welche Möglichkeiten die Stadt hat, um die Kontrolle über die Preisentwicklung für Energie nicht komplett aus der Hand zu geben. „Wir müssen langfristig den Menschen die Sicherheit geben, dass der Preis stabil bleibt“, so Bürgermeister Ockel. Man wolle Einfluss haben auf den Betreiber, egal um wen es sich handelt, so Ockel weiter.

Da die klimaneutrale Versorgung jedoch nicht auf die Fokusgebiete beschränkt ist, ist es Langelotz und Barth auch wichtig, sich ebenso um die dezentrale Wärmeversorgung zu kümmern. Hierfür steht Eigentümerinnen und Eigentümern von Mehrfamilienhäusern eine kostenfreie und persönliche Energieberatung zur Verfügung. Da eine Beratung noch im laufenden Jahr 2026 stattfinden soll und die Kapazitäten begrenzt sind, wird eine Anmeldung bis spätestens Ende November empfohlen. Interessierte können sich HIER anmelden.