Städtische Wirtschaftsförderung lud zum vierten Unternehmerabend
In angenehmer Atmosphäre kamen in der vergangenen Woche 71 Vertreterinnen und Vertreter aus 44 Unternehmen und Institutionen im Restaurant „Zum Grünen Baum“ zum vierten Unternehmerabend der städtischen Wirtschaftsförderung zusammen.
Ziel war es, über aktuelle Entwicklungen in Kelsterbach zu informieren, den Austausch zu fördern und neue Kontakte zu knüpfen.
Gastgeber Vasilios Angelis und sein Enkel Vassilios begrüßten die Gäste herzlich. „Wir danken der Stadt für die gute Zusammenarbeit“, betonten sie. Zwar hat die Familie Angelis den täglichen Restaurantbetrieb im „Grünen Baum“ vor einiger Zeit eingestellt, das dazugehörige Hotel ist jedoch weiterhin geöffnet. Auch das Restaurant kann nach wie vor für Feiern und andere Anlässe gebucht werden.
Für den musikalischen Auftakt sorgte der 14-jährige Musikschüler Konrad Unger am Saxofon, begleitet von Musikschulleiter Marc Fischer am Akkordeon. Anschließend begrüßte Bürgermeister Manfred Ockel die Gäste und informierte über die aktuelle Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Kelsterbach.
Kommunale Finanzlage und gewerbliche Entwicklungen
Zu Beginn sprach Ockel die angespannte Finanzlage der Kommunen an. Städte und Gemeinden stünden vor großen Herausforderungen, die ohne eine angemessene finanzielle Ausstattung kaum zu bewältigen seien. Er hoffe daher auf eine grundlegende Strukturreform, die den Kommunen mehr Handlungsspielraum ermögliche.
Anschließend berichtete er über aktuelle Gewerbeprojekte. Im Mittelpunkt stand das neue Projekt „LogiSpace“ im Gewerbegebiet Taubengrund, für das kürzlich das Baustellenfest stattfand. Auf einem rund 48.200 Quadratmeter großen Grundstück entsteht in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Flughafen und zum Frankfurter Kreuz ein multifunktionales Logistik- und Light-Industrial-Gebäude. Geplant sind mehr als 25.000 Quadratmeter Hallenfläche sowie Büro-, Galerie- und Sozialflächen und Pkw- und Lkw-Stellplätze. Erste Flächen sollen ab dem ersten Quartal 2027 bezugsfertig sein.
Auch über weitere Vorhaben informierte der Bürgermeister. So wird etwa das ehemalige Condor-Gebäude im Taubengrund aktuell umgebaut. Dort sollen kleinere Gewerbeeinheiten sowie Wohnraum zur Kurzzeitvermietung entstehen. Es ist geplant, den nächsten Unternehmerabend im Frühjahr 2027 in dem Gebäude auszurichten.
Für den noch unbebauten Teil des Enka-Geländes liegt ebenfalls ein Konzept vor. Entlang der Dr.-Max-Fremery-Straße sind ein Fitnesscenter, ein Hotel und weitere Gewerbeeinheiten geplant, an der Rüsselsheimer Straße Wohnbebauung. Das Bebauungsplanverfahren läuft bereits.
Fortschritte gibt es auch bei den Rechenzentren am Kornweg: Eines der Gebäude ist nahezu fertiggestellt und weitgehend in Betrieb. Zwei weitere sollen folgen.
Im Gewerbegebiet Mönchhof erweitert die Firma Peter Groß ihren Standort. Außerdem wurde die neue Kita „MainSchiff“ von Terminal4Kids am Mainufer vorgestellt, die Anfang November ihren Betrieb aufgenommen hat. Sie bietet Platz für 74 Kinder aus Kelsterbach, Raunheim und von Beschäftigten des Mönchhof-Geländes.
Klimaanpassung, Fachkräfte und interkommunale Zusammenarbeit
Wirtschaftsförderin Anja Warnecke-Bi stellte verschiedene Projekte und Unterstützungsangebote vor. Dazu gehörte das europäische Förderprojekt IB Green, bei dem die Potenziale des Gewerbegebiets Mönchhof für Klimaanpassungsmaßnahmen untersucht wurden. Dabei wurden öffentliche Flächen ebenso berücksichtigt wie private Grundstücke und Gebäude. Interessierte Unternehmen können sich die Ergebnisse von der Wirtschaftsförderung ausführlicher vorstellen lassen.
Ein weiteres Thema war die gemeinsam mit der Integrierten Gesamtschule entwickelte Fachkräfteinitiative. Ziel ist es, Schule und Unternehmen frühzeitig miteinander zu vernetzen. Denkbar sind beispielsweise Projektlernzeiten in Unternehmen oder die Bearbeitung betrieblicher Aufgabenstellungen im Schulunterricht. So sollen junge Menschen Einblicke in die Arbeitswelt erhalten und frühzeitig Kontakte zu örtlichen Unternehmen knüpfen. Inzwischen hat sich auch die Stadt Raunheim mit ihrer IGS der Initiative angeschlossen.
Warnecke-Bi ermutigte die Gewerbetreibenden, sich mit Fragen, Anliegen und Ideen jederzeit an die Wirtschaftsförderung zu wenden. Dank ihres Netzwerks könne sie auch passende Kontakte vermitteln. „Ich freue mich, wenn Sie auf mich zukommen und mir Arbeit machen“, betonte sie augenzwinkernd.
Bürgermeister Ockel stellte zudem den Zweckverband Asien vor, ein gemeinsames Projekt der Städte Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim. Ziel ist es, Unternehmen aus der Region bei einer Expansion nach Asien zu unterstützen und asiatischen Firmen die Ansiedlung in der Region Frankfurt Rhein-Main zu erleichtern. Ein besonderes Merkmal: Die Gewerbesteuereinnahmen aus solchen Ansiedlungen werden unabhängig vom Standort zu gleichen Teilen unter den drei Kommunen aufgeteilt.
Kulturelle Bildung als gemeinschaftliche Aufgabe
Zum Abschluss präsentierten Meike Betzold, Leiterin der Stadt- und Schulbibliothek, und Marc Fischer den neu gegründeten Förderverein „Kulturelle Bildung in Kelsterbach“. Dieser soll künftig Projekte unterstützen, die sich aufgrund begrenzter städtischer Haushaltsmittel nicht ausreichend finanzieren lassen.
Besonders in den Bereichen Leseförderung und Medienpädagogik gebe es großen Handlungsbedarf. Betzold und Fischer erläuterten die vielfältigen Aufgaben und Bedarfe ihrer Einrichtungen und warben um Unterstützung für den Förderverein. Dabei richtete sich ihr Aufruf ausdrücklich auch an die örtlichen Unternehmen und Gewerbetreibenden. Gemeinsam könne ein wichtiger Beitrag dazu geleistet werden, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten zu ermöglichen und diese langfristig zu stärken.
Persönlicher Austausch und neue Kontakte
Nach den Vorträgen servierte das Team des „Grünen Baums“ griechische Spezialitäten. Beim gemeinsamen Essen nutzten die Gäste die Gelegenheit, Themen zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Daraus können künftig Kooperationen und gemeinsame Projekte entstehen.
Wirtschaftsförderin Warnecke-Bi zeigte sich zufrieden mit der großen Resonanz: „Der Unternehmerabend ist eine gute Gelegenheit, über die Entwicklungen in Kelsterbach zu informieren und den Gewerbetreibenden Danke zu sagen – für ihre Arbeit, ihre Ideen und ihren Beitrag für Kelsterbachs Zukunft.“
Der vierte Unternehmerabend habe erneut gezeigt, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Stadtverwaltung, Unternehmen und Institutionen ist. Neben einem Einblick in aktuelle Projekte und Perspektiven stärke die Veranstaltung das Netzwerk der örtlichen Wirtschaft und damit eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Kelsterbach, resümierte Warnecke-Bi.